AYCR – (Fast) Ein ganzer Tag im 30-Minuten-Rhythmus…

Während die AH-Tour-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer in Berlin etwas gemütlicher unterwegs waren (Beitrag folgt), ging Clubbruder Philipp Spelten der Frage nach, wie viel man an einem Tag von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang auf dem Rhein rudern kann – „All you can row“ organisiert vom Karlsruher Rheinklub Alemannia. Zusammen mit Christian und Freddy vom BRV ruderte er im Zweier mit Steuermann 229 km von Karlsruhe nach Lahnstein (und damit die weiteste Strecke).

 

Hier ein genauerer Einblick in das Unterfangen:

All You Can Row 2019 von Philipp Spelten

Samstag, 22. Juni 2019

4:00h      Jemand kommt in den Gymnastikraum und schreit herum. Der Wecker sollte doch erst um 4:20 gehen!

Exkurs     Warum steht man an einem Samstag um 4 Uhr auf? Naja, „All you CAN row”. Wer später aufsteht, hat es also gar nicht richtig versucht. Der Karlsruher Rheinklub Alemannia (KRA) lädt dazu ein. Die Organisation ist trotz der vielen Anmeldungen top. Der Weseler Transport nimmt unser Boot von Bonn aus mit und wir werden in Karlsruhe nach entspannter ICE-Fahrt vom Shuttle abgeholt. Super! Abends gibt es noch Essen beim KRA bevor wir zum Übernachten zum Karlsruher Ruder-Verein Wiking in einem anderen Hafenbecken laufen. Da wir keinen Rücktransport für unser Gepäck haben, überlegen wir noch, abends in Neuwied zu übernachten und am Sonntag den Rest zu rudern.

4:30h          Gut, dass wir so früh geweckt wurden. Um 4:55h sollen die ersten Boote wassern. Der KRA hat mit der Hilfe vieler Freiwilliger ein leckeres Frühstücksbuffet vorbereitet.

4:55h          Christians Gepäck ist entführt worden und auf dem Weg nach Mainz! Er fährt los, um es hoffentlich beim KRA einzuholen. Eine MüWa-Dame hilft uns indes netterweise das Boot einzusetzen und Freddy und ich verteilen schon mal die vielen Getränke und unser Gepäck im Boot.

5:20h (gefühlt) Christian ist zurück beim Wiking, aber immer noch auf Klo…!

5:21h (gefühlt) Christian springt rein. Wir positionieren uns im Feld.

5:22h          Start! Los geht’s. Bis 21:42h haben wir Zeit. Die ersten 2,5 km verlaufen durch das Karlsruher Hafenbecken. Wir fahren schon hier mit langen Schlägen an einigen 4x+ vorbei.

5:35h          Der Rhein! Nach dem Start“sprint“ erfahren nun alle Boote schmerzlich, dass der vorhergesagte Gegenwind uns schon jetzt das Leben ordentlich schwer macht.

5:45h          Das MüWa „Rowling Stones“ und ein 5x- aus Mannheim haben sichtlich mit den Wellen zu kämpfen. Auch unser 2x+ bekommt viel Wasser rein, aber wir bleiben weiter in der Hauptströmung und können schneller lenzen und setzen uns so jetzt schon ab.

5:52h          Die ersten wechseln. Wir verlängern die ersten beiden Etappen um 4 Minuten (Wechsel um halb und voll brauchen hoffentlich weniger Hirnschmalz…)

5:56h          Bei unserem ersten Wechseln liegen wir schon vorne. Der 5x- muss schöpfen.

6:30h          Die beiden anderen Boote geraten schon außer Sichtweite. Ob die nochmal kommen…? Erstmal fahren wir das Rennen wohl für uns. Ich freue mich über die frühe Pause, aber die Schifffahrt macht das Steuern doch eher anspruchsvoll. Christian stellt fest, ich müsse der Wellengott sein und die Wellen würden mich lieben (sie wollen ständig in meinem Schoß liegen…).

7:00h          Wechsel. Der leicht höhere Wasserstand macht sich bemerkbar. Trotz des Windes          macht das Ganze bei einem Blick auf den Tacho richtig Spaß.

7:30h          Wechsel bei Speyer (43 km).

8:00h          Wechsel…langsam macht sich eine gewisse Regelmäßigkeit bemerkbar, oder? 😉

8:30h          Wechsel. Wir sind schon wieder zurück in unserer Startbesetzung (Freddy steuert, Christian schlägt, ich…bin bemüht 😊)

9:00h          Wechsel bei Mannheim (67 km). Das Wasser könnte besch…ener kaum sein. Schifffahrt, Gegenwind und Spundwände an beiden Ufern… Immerhin kommt von oben kein Wasser, und die Neckarmündung ist ja auch schön.

9:30h          Wechsel. Unser Live-Track klappt leider nicht (dem Handy scheint schon zu heiß zu sein). Die Ufer werden wieder landschaftlicher.

10:00h    Wechsel. Die ersten Startkörner sind aufgebraucht. Jetzt geht’s darum, effizient zu werden. Unsere Geschwindigkeit bleibt trotz Wind bei angenehmen 16 km/h.

10:30h    Wechsel. Einige BRV-Angelegenheiten werden zwischen Schlag- und Steuerplatz ausdiskutiert. Wie gut, dass wir bei der langen Strecke aerob fahren müssen.

11:00h    Wechsel. Die erste längere Strecke, die nicht starr gen Norden geht. Also endlich weniger Gegenwind! Wir nehmen zwischenzeitig richtig Fahrt auf.

11:30h    Wechsel bei Gernsheim (103 km). Kurz haben wir sogar so etwas wie Mitwind! Den Umweg über den Erfelder Altrheinarm sparen wir uns trotzdem 😉

12:00h        Wechsel

12:30h    Wechsel bei Oppenheim (121 km). Das Wasser wird merklich langsamer und wir mit. Die magische Grenze sind 15,4 km/h, die wir im Durchschnitt fahren müssen, um bis Neuwied zu kommen. Da bleiben wir (noch) sogar drüber! Aber wie lange noch…?

13:00h    Wechsel. Wir rechnen, wie lange noch bis Mainz (dann hoffentlich mit Mitwind aus NO), wie lange bis Bingen, wie lange ab da… Noch haben wir 30 Minuten Puffer auf die Zielgeschwindigkeit.

13:30h        Wechsel

14:00h    Wechsel. In Mainz (146 km) legen wir kurz an, um Wasserflaschen vom Steg einzusammeln. WD (der Hauptorganisator) grüßt nett vom Balkon der Mainzer RG.

14:30h    Wechsel. Im Rheingau steht die Luft. Zwei Tomaten bewegen sich in Froskepôlle vor und zurück, während eine dritte Tomate im Heck langsam wieder Hautfarbe bekommt. Wir verkürzen die Wechsel auf 20 Minuten, in der Hoffnung, nicht zu sehr aufzuheizen.

14:50h    Wechsel

15:10h    Wechsel. Wir wägen die Alternativen ab. Um den Rekord zu brechen, müssten wir hinter Neuwied noch 8km fahren. Das könnte knapp werden. Alternativ Andernach?

15:30h    Wechsel

15:50h    Wechsel. Wir biegen um die Kurve in Bingen (170 km). Der Rhein bekommt wieder richtig Druck. Der Wind hält stur dagegen. So ein Mist! Wo wir eigentlich auf 18 km/h kommen wollten, einen km treiben und und und kommen wir gerade so über die 15 km/h, das Boot müssen wir mit jedem Schlag neu anschieben. So wird Neuwied nun doch noch knapp. Es wird stiller im Boot.

16:10h        Wechsel

16:30h        Wechsel

16:50h    Wechsel. Christians Magen macht Schwierigkeiten.

17:10h    Wechsel

17:30h    Wechsel. Wir durchfahren selbst die Loreley nur mit knapp 15 km/h. Das Lenzen klappt nicht mehr und wir legen in St. Goar (198 km) an, um zu schöpfen.

17:50h    Wechsel

18:10h    Wechsel

18:30h    Wechsel bei Boppard (212 km). Nur noch <40 km bis Neuwied. Knapp machbar. Aber Christians Magen macht nicht mehr mit, und richtig Spaß macht es so auch nicht. Der Live-Track der anderen Boote zeigt, dass wir knapp 30 km Vorsprung haben. Angesichts des Gegenwindes, der immer noch nicht nachgelassen hat, beschließen wir, zu zweit nur noch bis Lahnstein zu fahren.

18:50h    Wir erreichen Hervé, der sich bereit erklärt, uns von Lahnstein abzuholen. Ab jetzt ist also (quasi) Feierabend. Wir fahren nur noch 5 km am Stück und unterhalten uns dabei.

20:30h    In Lahnstein (229 km) angekommen machen wir noch kurz das Boot übernachtungsfertig und holen es am Sonntag mit dem Anhänger ab. Wir rufen WD an, um ihm unsere Position durchzugeben.

21:42h    Den Sonnenuntergang erleben wir vom Auto aus. Was für ein Tag! Alle Muskeln tun weh, aber der Magen hat sich beruhigt, und innerhalb von zwei Tagen sollte unsere Beweglichkeit wieder voll hergestellt sein. Für Genf haben wir wichtige Lektionen mitgenommen, und schon jetzt beim Schreiben (drei Tage später) überwiegen klar die positiven Erinnerungen. Und wenn die Erzählungen sich in den ersten, zweiten, dritten… Vier-Stunden-Block der Fahrt aufteilen, das hat schon auch was. Nächstes Jahr wieder…?!

 

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